Große Brennnessel - große Heilerin, voll mit Vitalstoffen -

Aktualisiert: Juli 24

Urtica dioica L.


Die Nutzung der Brennnessel lässt sich bis in die Bronzezeit zurück belegen, als ihre Fasern, ähnlich dem Hanf und Lein, zur Herstellung von Stoffen und Seilen verwendet wurden. Daher auch der Name "Nessel" für einige unserer Stoffe!

Bereits die alten Griechen verwendeten die Brennnessel innerlich und äußerlich bei arthritischen Beschwerden.

Römische Truppen machten sie im nördlichen Europa heimisch. Angeblich linderten sie ihre Gelenkschmerzen in unserem kühlen, feuchten Klima durch Einreibungen mit frischen Brennnesseln.

Ihre Fasern benutzten sie, um Taue und Gewebe für Textilien herzustellen.

Die Kelten sahen in dem frischen Grün die Gestalt des Grünen Mannes. Als Gefährte der Erdgöttin vertrieb er den eisigen Winterkönig. Mit Hilfe der Brennnessel wurde die Winterschwäche und der üble Scharbock (Skorbut) vertrieben.

Die Germanen weihten die Pflanze ihrem Donnergott Donar, der für Fruchtbarkeit, männliche Potenz für das Bierbrauen zuständig war. In England ist noch heute das aus Nessel gebraute "nettle beer" zum Ausspülen von Schlacken aus dem Blut beliebt.

Wie genau die Kelten und Germanen das Kraut einsetzten ist uns nicht mehr bekannt. Vermutlich aber nicht viel anders, als es die Volksmedizin noch immer tut.

Hildegard von Bingen rühmte die Pflanze u.a. mit folgenden Worten: "Die Brennnessel ist in ihrer Art sehr warm. In keiner Weise nützt es, dass sie roh gegessen wird, wegen ihrer Rauheit. Aber wenn sie frisch aus der Erde sprießt, ist sie gekocht nützlich für die Speisen der Menschen, weil sie den Magen reinigt und den Schleim aus ihm wegnimmt.”

Sebastian Kneipp schrieb folgendes:

„Die Brennnessel ist die verachteste unter den Pflanzen. Für den Kenner hat sie in der Tat den größten Wert. Wer unreines Blut hat, soll zur Sommerzeit recht oft Brennnesseln, wie Spinat gekocht essen. Zur Frühjahrskur hingegen dient vor allem frischer Brennnessel-Salat sowie der Presssaft. O, wenn wir doch das Pflanzenblut nach seinem Werte schätzen würden, das meist so elende und wässrige Menschenblut würde bald davon gesunden und stark und gut werden.“

Kräuterpfarrer Johann Künzle vergleicht die Brennnessel mit einem "ruchen Cholderi" - einem Mann mit grimmigem Gebaren, aber einem hilfreichen Herzen.

Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden in armen Gegenden die Fasern der Großen Brennnessel, als billiger Ersatz für Leinen zu Nesselgarn und Nesseltuch verarbeitet, im zweiten Weltkrieg verstärkt für Militärkleidung. Während dieser Zeit wurde sie auch als „Notnahrung“ verwendet.

Ebenso lässt sich ein Farbstoff zum Einfärben von Wolle oder Seide aus der Pflanze gewinnen. Es entsteht dabei nicht das zu erwartende Grün, sondern ein sanfter gelber Farbton.

Heute ist die Pflanze eine der großen Lieferanten für Lebensmittelfarben. Sie werden aus dem Brennnessel-Chlorophyll hergestellt und in vielen Bereichen der Lebensmittelindustrie verarbeitet – zum Beispiel um eingelegte Gurken appetitlich grün erscheinen zu lassen.


Und gegen Furunkel hilft Harry Potters Zaubertrank, den er aus der "Nessel" braut.


Die Brennnessel als Heilpflanze und "Superfood"

Sie ist ein Polychrest (griech. polys = viel, chrestos = nützlich), d.h. sie besitzt ein breites, kein spezifisches Wirkungsspektrum.

Aufgrund ihres hohen Eiweißgehaltes, ihres Eisen- und Vitamingehaltes gehört sie zu den stärkenden Heilmitteln. Bei Erschöpfungszuständen, Zeiten der Rekonvaleszenz oder sexueller Schwäche werden die Samen verwendet. Sie sollen eine so starke vitalisierende Wirkung haben, dass es im Mittelalter den Nonnen und Mönchen untersagt war, Brennnesselsamen einzunehmen.

Tatsächlich regen die Samen bei Männern die Samenproduktion an.

Die Samen sind ein guter heimischer Ersatz zu den grade in Mode gekommenen Chia-Samen.


Inhaltsstoffe:

Kraut, Blätter und Samen: u.a. Vitamin C (7-fach höher als der von Orangen), Vitamin A, B- Vitamine, Vitamin E, Amine (Histamin, Serotonin und Cholin), Spurenelemente (in beachtlicher Konzentration Eisen, Phosphor, Magnesium), Mineralstoffe (Kieselsäure, Kalzium, Kalium), Chlorophyll, Carotinoide (Provitamin A), Flavonoide, Lektine. Chlorophyll, dem grünen Farbstoff, der eine große Ähnlichkeit mit unserem Blutfarbstott Hämoglobin ausweist. Deshalb wird er auch als "grünes Blut" bezeichnet.

Der Eiweißgehalt ist höher als der von Soja, bei getrocknetem Kraut liegt der Eiweißgehalt bei

ca. 40%.

Brennhaare: Acetylcholin (ein Neurotransmitter), Histamin, Säuren (u.a. Ameisen-, Apfel-, Butter-, Chlorogen-, Essig- und Zitronensäure)

Samen: hormonähnliche Substanzen: Sitosterin und Vitamin E, fette Öle (Linolensäure).

Wurzeln: Phytosterole (Steroide) – wichtigster Vertreter ist das ß-Sitosterol. Daneben enthält sie auch Lecitine, Cumarine und Lignane (Phytoöstrogen).


Äußerliche Anwendung - Haut und Haare

Eine etwas drastische, aber alt bewährte Anwendungsmethode, ist das Schlagen der Haut mit frischen Brennnesselruten. Noch heute wird die "Urtikation" bei Rheuma und Arthritis angewandt. Die Brennhaare sitzen an den Stängeln und Blättern. Sie enthalten eine wahre Mixtur an Reizstoffen. Bei der kleinsten Berührung brechen die Köpfchen der Brennhaare ab und geben den Nesselgiftstoff in die verletzten Hautzellen ab. Es entstehen schmerzende, gerötete Quaddeln auf der Haut, die besonders bei empfindlichen Menschen erst nach Stunden wieder nachlassen. Durch diese Brennwirkung fördert sie die Erwärmung und Durchblutung der Haut.




Nicht zu vergessen ist auch die positive Wirkung von Brennnesselextrakten auf Haare und Kopfhaut. Regelmäßige Haarspülungen mit Brennnesseltee, oder besser noch einer Abkochung aus Brennnesselwurzeln, machen die Haare geschmeidig und glänzend. Die Durchblutung der Kopfhaut wird angeregt und die Haarwurzeln werden wieder besser mit Nährstoffen versorgt.


Eine enorme Wirkung auf die (Haar-) Gesundheit haben auch die Samen der Brennnessel, wenn sie gegessen werden.

Diese Wirkung machten sich früher auch Pferdehändler zunutze. Brennnesselsamen in das Futter der Pferde gemischt, verliehen den Tieren ein glänzendes, seidiges Fell.







Sammelzeit:

Junge Triebspitzen im Frühling zum Verzehr, das blühende Kraut zum Trocknen für Tee, die Früchte im Hochsommer/Herbst zum Verzehr und zum Trocknen. Die Wurzel im Spätherbst oder zeitig im Frühjahr.


Im Garten

.Die Brennnessel dient vielen Arten als Nahrungspflanze. Die Raupen von Kleiner Fuchs, Landkärtchen, Admiral, Tagpfauenauge und Distelfalter leben ausschließlich von Brennnesseln. Einige Raupen haben sich in ihrem Verhalten angepasst: Sie beißen die Brennhaare unten durch, so dass sie abfallen, um dann weiter zu fressen ohne gebrannt zu werden.

Rezepte, Rezepte,......

Brennnesseltinktur

Eine Handvoll gebürsteter, gewaschener und kleingeschnittener Wurzeln locker bis zum Hals in eine Flasche geben, mit 1/2 Liter Korn oder Wodka deckend begießen, gut verschließen, 28 Tage im Dunkeln ziehen lassen, dann durch ein Tuch in eine dunkle Flasche abfiltern. Tropfenweise in Wasser gemischt anstelle der Einnahme von Brennnesseltee oder mit Wasser verdünnt zur Haarpflege anstelle eines Brennnesselwassers.

Bei Nervenschmerzen pur auf die Haut auftragen.


Haarspülung

Einem Liter Brennnesseltee aus Blättern oder besser noch aus Wurzeln, wird ein Schuss Essig zugegeben, nach der Haarwäsche Haare und Kopfhaut damit spülen, nicht mit Wasser abspülen.

Diese Haarspülung belebt müde Haarwurzeln, kräftigt die Kopfhaut und macht das Haar geschmeidig und glänzend.

Ein altes Rezept von Sebastian Kneipp

Aus 200 g frischen Brennnesseln kocht man mit einem Liter Wasser eine halbe Stunde lang einen Absud. Mit diesem Absud soll man sich vor dem Schlafen die Haare und vor allem die Kopfhaut waschen.

Wem diese Prozedur zu aufwendig ist kann auch ein Haarwasser aus Brennnessel-Tinktur verwenden.


Brennnesselwurzel-Essig

Getrocknete oder frische Brennnesselwurzeln waschen und zerkleinern, in ein großes Schraubglas füllen und mit einem guten Apfelessig übergießen. Alle Wurzelteile sollten bedeckt sein. 28 Tage in der Morgensonne ausziehen lassen. Abseihen und in einer dunklen Flasche aufbewahren. Mit etwas Wasser verdünnt in die Kopfhaut einmassieren oder als Haarspülung verwenden, dann bitte 1:10 mit Wasser verdünnen.


Grüner Smoothie

2 handvoll Triebspitzen mit jungen Blättern

1 mittelgroßer Apfel

1 EL Brennnesselsamen

1/2 Banane

Alles gut zerkleinern, im Mixer auf höchster Stufe mit etwas Wasser pürieren. Mit Wasser auffüllen, bis eine sämige Flüssigkeit entstanden ist.

Der Smoothie lässt sich mit anderen Früchten oder Gemüse oder Wildkräutern variieren. Wichtig ist nur, dass er nicht zu süss wird und wir unsere Leber nicht mit zu viel Fruchtzucker belasten.

Ein kleines, sehr informatives Buch über die Brennnessel hat Ludwig Fischer geschrieben,

erschienen bei Naturkunden - Matthes und Seitz, Berlin



Die beschriebenen Heilwirkungen von Heilpflanzen und deren Anwendung haben ausschließlich informativen Charakter.

Ich übernehme keine Garantie und Haftung für die genannten Anwendungsmöglichkeiten.

Ich empfehle hinsichtlich eigener Anwendung ausdrücklich Rücksprache mit einem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker.